Das Altersvorsorgedepot kommt
Nun hat auch der Bundesrat den Weg frei gemacht für eine neue Form der Altersvorsorge: Mit dem Altersvorsorgedepot soll sich private Vorsorge endlich wieder lohnen. Ich habe da noch Zweifel.
Eine Altersvorsorge nach skandinavischen Vorbildern. Mit geringen Kosten und hohen Renditen. Davon träumte nicht nur die FDP lange Zeit, sondern vermutlich auch viele Menschen in Deutschland, die sich um ihre private Vorsorge kümmern.
Dass die gesetzliche Rente für die Allermeisten im Alter nicht reichen wird, das dürften mittlerweile wohl die Meisten verstanden haben. Die bisherige Antwort darauf und der Appell an Eigenverantwortung aber eher ein Witz.
RIESTER war bestimmt mal gut gedacht, wirklich profitiert hat am Ende vermutlich nur die Versicherungswirtschaft. Hohe Vertriebskosten, hohe Verwaltungskosten und eher mickrige staatliche Zuschüsse haben Rieser-Verträge maximal unattraktiv gemacht.
Jetzt also das Altersvorsorgedepot. – Ist das der große Wurf?
Ich habe da noch Fragen
Zwar wurden auf den letzten Metern im Gesetz noch viele sinnvolle Änderungen eingebracht. Etwa, dass es ein Standardprodukt geben soll oder dass Verbraucher auch Produkte nach strengeren ESG-Kriterien wählen sollen dürfen.
Und dennoch gibt es Bereiche, in denen Fragen bleiben oder das deutsche Altersvorsorgedepot hinter den Vorbildern zurückbleibt.
So sind in Deutschland Maximalkosten von 1% p.a. festgelegt. Klingt nach wenig, ist im Vergleich günstiger Welt-ETFs mit etwa 0,2% TER deutlich teurer. Der schwedische Staatsfonds AP7 kommt im Vergleich mit jährlichen Kosten von 0,075% bis 0,1% aus. Also nur ein Zehntel. Und da das Management staatlich erfolgt, gibt es so etwas wie Vertriebskosten in Schweden nicht.
Und auch an anderer Stelle konnte sich – vermutlich – die Versicherungslobby durchsetzen: In Deutschland soll es Anlageformen mit garantierter Auszahlung von 90-100% des eingezahlten Kapitals geben. Klingt nett, bedeutet aber auch, dass nur Minimalrenditen erwirtschaftet werden dürften.
Der Fehler von Riester wird damit wiederholt.
A propos Riester: Theoretisch kann man Riester-Verträge ins neue Altersvorsorgedepot überführen. Wie das praktisch laufen wird, ist noch offen.
Die Versicherungswirtschaft dürfte vermutlich aber viel dafür tun, die Verträge in die eher unattraktiven Formen mit Garantieleistung zu überführen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der persönlichen Dokumentation und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Alle Einschätzungen spiegeln lediglich meine persönliche Meinung wider. Investitionen am Kapitalmarkt sind mit Risiken verbunden, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.