Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn.
Person
(war's nie:) Albert Einstein
Ein kurzer Faktencheck vorab: Albert Einstein (1879–1955) war Physiker, genauer theoretischer Physiker – kein Astrophysiker und schon gar kein Ökonom.
Mit der speziellen (1905) und der allgemeinen Relativitätstheorie (1915) veränderte er das physikalische Weltbild grundlegend; seinen Nobelpreis erhielt er 1921 allerdings für die Erklärung des photoelektrischen Effekts, nicht für die Relativitätstheorie. Seine allgemeine Relativitätstheorie bildet zwar bis heute die Grundlage der modernen Kosmologie – das erklärt die gelegentliche Verwechslung mit der Astrophysik, ist aber nicht dasselbe Fachgebiet.
Zur Börse und zu Geldanlage hat er sich nach allem, was aus seinen Schriften und Archiven bekannt ist, nie geäußert.
Warum wird er trotzdem ständig zitiert? Weil sein Name für Genie schlechthin steht. Ein Satz wirkt überzeugender, sobald er einem der klügsten Köpfe der Geschichte zugeschrieben wird – ein rhetorischer Trick, den Fachleute als Autoritätsargument bezeichnen. Das Zinseszins-Zitat entstand nachweislich erst Jahrzehnte nach Einsteins Tod in der Finanzbranche und wurde ihm nachträglich angeheftet, um einer ohnehin richtigen Aussage zusätzliches Gewicht zu verleihen.
Das macht ihn zu einem interessanten Fall auf dieser Seite: der wohl meistzitierte „Börsenexperte“, der mit Börsen nichts zu tun hatte.
Bildnachweis: Von Oren Jack Turner - Dieses Bild ist unter der digitalen ID cph.3b46036 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich. Siehe Commons:Lizenzen für weitere Informationen., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6372844