Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn.

(war's nie:) Albert Einstein

Ein Satz, der in praktisch jedem Finanzratgeber der letzten vierzig Jahre auftaucht – und den Einstein aller Wahrscheinlichkeit nach nie gesagt hat. Die Quote-Investigator-Redaktion, eine auf Zitatrecherche spezialisierte Fact-Checking-Instanz, fand die Formel „achtes Weltwunder der Zinseszins“ bereits 1965 im Umlauf, damals einem „Grandpa Rockerfeller“ zugeschrieben. Erst 1988 tauchte sie erstmals mit Einsteins Namen auf, in einer Äußerung eines Finanzanalysten – 33 Jahre nach seinem Tod. In Einsteins eigenen Schriften, Briefen oder den Beständen der Einstein-Archive findet sich kein Beleg.

Für Aktionäre bleibt die Sache dahinter trotzdem richtig: Der Zinseszins-Effekt wächst nicht linear, sondern beschleunigt sich über die Zeit, weshalb ein langer Anlagehorizont mehr zur Rendite beiträgt als fast jede andere Stellschraube.

Wahrheitsgehalt: die Urheberschaft ist widerlegt, die Mathematik dahinter nicht. Ein Klassiker der Autoritätsberufung: Ein bekannter Name verleiht einer wahren Aussage zusätzliches Gewicht, das sie eigentlich nicht braucht.

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