Als ich mir vor einigen Jahren mal eine eigene Anlagestrategie verpasst habe um dem ständigen Rein und Raus entgegenzuwirken, habe ich mir selbst vor allem auch versprochen, wenigstens einmal im Jahr auf die aktuelle Allokation zu schauen und zu überprüfen, wie weit ich von meiner Ziel-Verteilung abgewichen bin.
Spoiler: Etwas bis ziemlich.
Spoiler 2: Ich habe das Rebalancing natürlich vernachlässigt.
Wollte ich eigentlich im April die Verteilung bewerten und korrigieren. Im August habe ich mir endlich die Zeit dazu genommen.
Denn abgesehen davon, dass ich meine Strategie um eine kleine Wette auf Polen erweitert habe, bin ich von der Ziel-Allokation ein ganzes Stück entfernt. Insbesondere der FTSE All World nimmt momentan 7% mehr ein, als er soll.
Rebalancing mit KI
Eigentlich wollte ich zum Rebalancing ein Tool meines Portfolio-Monitorings Parqet nutzen: Portfolio Rebalancer.
Der große Vorteil: Mit nur einem Klick kann ich dort mein Portfolio synchronisieren, alle Werte direkt in einer interaktiven Tabelle bearbeiten und über verschiedene Modelle das Rebalancing simulieren.
Leider hat das Tool aber auch einen entscheidenden Nachteil: Es kann nicht wirklich mit „Zwischen-Schritten“ umgehen.
Meine Situation ist ja:
- Ich habe einen definierten Betrag, den ich per Sparplan investieren will.
- Ich will (Teil-)Verkäufe vermeiden, um nicht unnötig Steuerzahlungen auszulösen.
- Das Rebalancing kann in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten erfolgen.
Das Parqet-Tool kann aber nur entweder-oder:
Entweder ich füge nur neues Kapital hinzu. Dann allerdings würden meine 800 bis 1.000 € pro Monat nicht annähernd reichen. Stand heute bräuchte ich ca. 5.000 € um alle Positionen entsprechend ihrer Zielwerte zu kaufen.
Oder aber ich kann einen Wert investieren. Dann allerdings müsste ich Anteile übergewichteter Positionen verkaufen. Also das, was ich gerade nicht will.
Ich habe daher Claude gefragt. Und erkannt, dass das offenbar schon etwas komplexere Mathematik ist. Denn Claude hat sich mehrfach verrechnet oder ist in eine falsche Richtung abgebogen.
Letztlich hat es aber funktioniert und die vorgeschlagene – und von mir so umgesetzte Idee – war: Fülle zunächst kleine, untergewichtete Positionen auf, bis sie die Ziel-Allokation erreichen. Das Monat für Monat, bis die Allokation für alle Positionen annähernd passt.
Im Ergebnis habe ich im August also die niedrig gerichteten Positionen in meinem Portfolio gekauft. Sie liegen jetzt im Bereich der Zielallokation und ich kann mich im September in der gleichen Art und Weise den größer gerichteten Positionen widmen.
Ende des Monats August sieht das Bild jedoch besser aus:
Ziel-Allokation
Ist-Allokation (Stand: 30.08.2026)
Und was ist sonst so passiert?
Ein paar andere Dinge sind für den August in meinem Gedächtnis geblieben:
- Die deutsche Wirtschaft wächst überraschend. Minimal, aber überhaupt.
(Wenngleich das für mein Portfolio nicht die allergrößte Bedeutung hat.) - Scalable prescht mit dem eigenen AVD Angebot vor.
- Kanada lässt sich nicht von Trump der…äppeln.
- NVIDIA liefert krasse Zahlen und die Börse ist sich dennoch uneins: bergab, bergauf, bergab, …
Ich bin ehrlich: Ich kann die Volatilität momentan schwer aushalten.
Ach. Und dann habe ich ein neues Buch angefangen: Cory Doctorow zeichnet in The Reverse Centaur’s Guide to Life After AI ein düsteres Bild der von AI dominierten Zukunft. Bislang konnte ich es nur anlesen, aber ich werde hier dann mal eine Rezension veröffentlichen.