Warum ich für und mit meinen Kindern Depots führe
Mehr Finanzbildung als den Weltspartag habe ich als Kind nicht bekommen. Das will ich anders machen.
keine AnlageberatungKannst du dich noch an den Weltspartag erinnern?
Ich weiß es noch genau: Einmal im Jahr – im Oktober – wurde bei der örtlichen Bankniederlassung das Sparschwein geleert, Knöpfe von Münzen getrennt und die Sparsumme, manchmal ergänzt durch 50 Mark der Eltern, per Nadeldrucker ins Sparbuch übertragen.

Dazu gab es dann eine neue Spardose, manchmal ein kleines Geschenk und das neueste Knax Heft.
Botschaft des Weltspartags: Bring dein Geld lieber zur Bank statt es in der Spardose aufzubewahren.
Geworben wurde über die Jahrzehnte mit Sprüchen wie „Wer spart hat immer Geld„, „Für alle die mehr wollen“ oder auch „Planen – Sparen – Wünsche erfüllen„.
Bei 3,5% Zinsen p.a. verfing das Konzept auch bei mir.
Und auch heute versuche ich meinen Kindern einen gewissen Konsumverzicht zu erklären: Solltest du wirklich dein ganzes Taschengeld direkt ausgeben oder wäre es nicht auch gut einen Teil für größere Anschaffungen zurückzulegen?
Eine Sache gibt es dennoch, die ich anders mache: Bei mir beschränkte sich finanzielle Bildung auf’s Sparen und Konsumverzicht. Nicht aber auf das Investieren.
Daher gibt es bei uns keine Sparbücher mehr, sondern Kinderdepots.
Das Sparbuch hat ausgedient
Zwischen Früher und Heute gibt es einen nicht ganz unwesentlichen Unterschied.
„Früher“ (in meinem Fall so vor 30 Jahren etwa) gab es für sog. Sichtguthaben wie dem Sparbuch noch ganz ordentlich Zinsen. Um die 3% in meiner Erinnerung.
Mein gespartes Taschengeld war bei 2,x% Inflation also nicht nur einigermaßen vor Kaufkraftverlust geschützt, sondern ich konnte daran wenigstens den Effekt des Zinseszins verstehen. Einmal Geld zur Seite gelegt vermehrt es sich jedes Jahr ein bisschen stärker. Durchhalten beim Sparen wird mit Rendite belohnt.
Heute ist das anders.
Als wir kurz nach der Geburt unserer ersten Tochter ein „Haspa Mäusekonto“ eingerichtet haben, gab es 3% Zinsen p.a. – Aber nur für einen Betrag bis 500€. Heute sind es 4%. Aber bei 500€ macht das gerade einmal lächerliche 20€ im Jahr. Vermutlich sind das für die Hamburger Sparkasse reine Marketingkosten, um früh Neukundinnen und -kunden zu gewinnen.
Auf Sparbücher gibt es in Deutschland momentan irgendwas rund um ein halbes Prozent. Die Inflation frisst das also komplett auf. Aus Sparen wird Geldvernichtung.
Bei Tages- und Festgeld sieht es momentan unwesentlich besser aus …
352 Millionen
So viel Geld liegt noch immer auf deutschen Sparbüchern.
Dennoch liegen noch immer hunderte Milliarden Euro auf deutschen Sparbüchern. Doch es gibt einen Lichtblick: Vor allem junge Menschen investieren stärker in Aktien. – Darunter auch junge Eltern mit kleinen Kindern. So wie wir.
Wie lege ich für meine Kinder an?
Ich, bzw. wir haben uns bei der Geldanlage für unsere Kinder strenge Regeln auferlegt. Denn per Gesetz verwalten wir die Kapitalanlage nur für sie. Wir müssen also in ihrem Sinne handeln, dürfen das Geld nicht zweckentfremden oder gar selbst nutzen und wollen ihnen mit Eintritt in die Volljährigkeit ein gutes Depot hinterlassen.
Daher gilt:
- breit gestreute Welt-ETFs
- regelmäßige Sparpläne
- komplett getrennt von unseren Depots
- Buy & Hold
Konkret haben beide Kinder daher momentan jeweils zwei Depots: Eines bei der comdirect, ein weiteres seit einiger Zeit bei Trade Republic. Während die Sparpläne bei der comdirect aufgrund der Kosten (Ausgabeaufschlag 1,5%) ruhen, werden die bei Trade Republic mit je 30€ pro Monat gefüllt. Hinzu kommen Sonderzahlungen nach Geburtstagen, Weihnachten und anderen Anlässen.
Könnte ich nicht mehr investieren?
Ich hörte von Eltern, die das gesamte Kindergeld pro Monat in Sparpläne stecken. Wer das (finanziell leisten) kann: Herzlichen Glückwunsch! Dagegen sehen die 30€/Monat schon recht mickrig aus. Und dennoch halte ich mich bzw. uns damit für privilegiert. Es gibt Familien, in denen am Monatsende nichts zum Zurücklegen bleibt, nicht einmal 30€ für die Kinder.
Ich glaube daher, dass es nicht allein nur um die Höhe der Einzahlungen geht. Sondern um die Kontinuität und der zeitliche Anlagehorizont:
Falls meine Töchter ihre übernommenen Depots bis zum 70. Lebensjahr selbst mit jeweils 30€/Monat fortführen, so kann daraus ebenfalls fast eine halbe Million werden. – Oder zum 18. Geburtstag eben eine längere Reise oder die Ausstattung der ersten eigenen Wohnung.
Was hat das mit finanzieller Bildung zu tun?
Mir ist wichtig, dass wir nicht nur als Eltern für unsere Kinder investieren. Sie sollen selbst verstehen, was in ihrem Depot passiert. Deswegen fließt zusätzlich zu meinen Einzahlungen auch eigenes Geld der Kinder hinein, etwa aus Taschengeld oder Geldgeschenken von Oma und Opa.
Weil wir regelmäßig auf Depot und (verzinstes) Verrechnungskonto schauen, sehen wir die Entwicklung des Portfolios, sehen Dividenden- und Zinszuflüsse. Der „Aha!“-Moment: Investieren bedeutet zu partizipieren und wird finanziell belohnt.
Bislang gab es noch keine stärkere Korrektur an den Kapitalmärkten, aber auch das wird einen Lerneffekt haben, da bin ich sicher.
Diese eigenen Investitionen sind klein, aber sie verändern die Wahrnehmung. Ein Kind, das eigenes Geld angelegt hat, fragt irgendwann von sich aus, warum der Kurs gefallen ist. Genau dieses Interesse ist der eigentliche Wert, nicht die paar Euro Rendite.
Was ändert sich mit der Frühstartrente?
Erinnerst du dich noch an die Frühstartrente? Jedes Kind soll bis zur Volljährigkeit mit 10€/Monat vom Staat beim Aufbau eines eigenen Depots unterstützt werden, das frühzeitig – in Kombination mit dem Altrersvorsorgedepot – das Fundament privater Altersvorsorge legt.
Das Bundeskabinett hat jetzt endlich (!) Ende August 2026 den Gesetzentwurf zur Einführung der Frühstartrente beschlossen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil formulierte das Ziel so: „Wir wollen, dass alle besser und früher für das Alter vorsorgen können.„
Konkret soll der Staat für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlen. Eltern können dieses Depot bei einem Anbieter ihrer Wahl eröffnen und zusätzlich eigenes Geld einzahlen, laut Bundesfinanzministerium bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei.
Wichtig ist der entscheidende Unterschied zu meinen eigenen Depots: Das Geld aus der Frühstartrente ist nicht mit 18 verfügbar. Eine Auszahlung ist laut Deutscher Rentenversicherung frühestens ab dem 65. Lebensjahr vorgesehen. Die Frühstartrente ist reine Altersvorsorge, kein Startkapital für den Führerschein oder die erste Wohnung.
Stand September 2026 ist das Gesetz noch nicht final beschlossen, das parlamentarische Verfahren läuft. Geplant ist ein rückwirkender Start zum 1. Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020, mit den ersten tatsächlichen Einzahlungen ab 2027.
Blöd für uns: Empfangsberechtigt sind nur Kinder ab dem Geburtsjahr 2020, alle älteren Kinder sind außen vor. Immerhin darf für sie schon ein Altersvorsorgedepot eingerichtet werden. Hier fehlen mir aber noch Details, ob sie während des Kindergeldbezugs von der staatlichen Förderung ausgenommen sind.
Ein eigenes Depot lohnt sich immer
Egal, ob deine Kinder nun die Frühstartrente nutzen könnten oder nicht: Ich glaube, dass sich ein eigenes Depot für jedes Kind lohnt. Auch 5€ pro Monat in einen ETF sind mehr als nichts und können über Jahrzehnte ein kleines Polster aufbauen. – Mehr als jede Spardose oder jedes Sparbuch.
Die meisten Depots für Kinder sind zudem kostenlos, manchmal unter kleinen Bedingungen.
Kinderdepots
Bei den in dieser Tabelle aufgeführten Brokern kann es sich um Werbepartner handeln. Diese sind mit * markiert. Ich erhalte eine Vergütung, wenn du über die Links ein Depot eröffnest. Dies hat keinen Einfluss auf die Bewertung oder Reihenfolge.
Trade Republic
einfache Verwaltung
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comdirect Junior Depot
Verknüpfung zu anderen Bank-Produkten
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Scalable Capital Kinderkonto
2,6% Guthabenzinsen
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| kostenloses Depot | |||
| kostenfreie Sparpläne | 1,5% Ausgabeaufschlag | ||
| Sparplan ab | 1€ | 1€ | 1€ |
| Zinsen auf Guthaben | 2,25% p.a. | 2,6% p.a. | |
| Besonderheiten | ETFs mit Rückzahlung der Fondskosten | ETFs mit Rückzahlung der Fondskosten | |
| Depot eröffnen | Depot eröffnen | Depot eröffnen |
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