Auf der Jagd nach Dividenden
Bislang spielten Dividenden in meiner Strategie kaum eine Rolle. Ändert sich das jetzt?
keine AnlageberatungIch fühle mich derzeit ein wenig wie – der Held meiner Kindheit – Indiana Jones. Doch anders als der berühmte Film-Abenteurer bin ich nicht auf der Suche nach verlorenen Kunstschätzen, von Nazis gestohlenen Heiligtümern oder versteckten Alien-Landeplätzen.
Nein, statt über Schatzkarten brüte ich über meiner Anlagestrategie, bin auf der Suche nach spannenden Investments und jage Dividende.
„Passives Einkommen“: Monatliche Zahlungen, ohne was zutun?
Dividenden werden gern als passives Einkommen bezeichnet: Ich bekomme regelmäßig Geld für das ich nur einmal was tun muss. Statt also jeden Tag aktiv zur Arbeit zu gehen, fließt jeden Monat Geld auf mein Konto. – Während ich auf einer Karibikinsel die Füße hochlege.
So schön klingt zumindest die Theorie. Denn auf dem Weg dorthin liegen ein paar Knackpunkte.
Wie viel Dividende brauche ich denn eigentlich?
Jetzt mal angenommen, ich wollte einen bedeutenden Teil meines Einkommens aus Lohnarbeit durch Dividenden ersetzen. Dann wäre ich bei einigen Tausend Euro pro Monat.
Ich nehme mal an es sollten so 2.500 € jeden Monat sein. – Netto, denn die Dividenden sollen ja auch den Netto-Verdienst aus der Lohnarbeit ersetzen.
Ich bin nicht mehr in der Kirche, zahle auf Kapitalerträge wie Dividenden also 25% Abgeltungssteuer zzgl. Solidaritätszuschlag. Das macht also 26,375% Steuerabzug. Als Freibetrag darf ich 1.000 € pro Jahr steuerfrei vereinnahmen. Der Einfachheit halber gehe ich mal davon aus, dass ich nur Dividenden erhalte und der Freibetrag direkt im ersten Monat ausgeschöpft wird.
Dann benötige ich im ersten Monat:
Zuzüglich der 1.000 € brutto die steuerfrei bleiben, würden im ersten Monat also ca. 3.037€ ins Depot fließen.
In den folgenden Monaten fehlt dieser Steuereffekt, da muss die Summe entsprechend höher sein:
In Summe macht das pro Jahr also:
Um auf netto 2.500 € pro Monat zu kommen, bräuchte ich also rund 40.389 € Ausschüttungen pro Jahr.

Wenn ich von durchschnittlich 5% Dividendenrendite ausgehe – was für Dividendenwerte realistisch ist – dann brauche ich also einen Depotwert von etwa 1.346.000 €!
Leider habe ich noch nicht im Lotto gewonnen, keinen Schatz im Dschungel gefunden und ein Erbe konnte ich auch nicht verbuchen (zum Glück!) und schon gar nicht in dieser Größenordnung.
1,3 Millionen Euro.
Um bei meinem Status Quo und üblicher Annahmen (2% Dynamisierung der Sparrate, 5% Rendite p.a.) dahin zu kommen, brauche ich über 31 Jahre!
So schnell kann er platzen der Traum vom frühzeitigen Leben unter Palmen. 🙁
Es gibt aber noch ein ganz anderes Problem…
Nachteil: Verlorener Zinseszins
Die vor zwei Sätzen angenommene Berechnung wie ich zu 1,3 Millionen im Depot komme setzt voraus, dass bereits gewonnene Rendite auch für die Zukunft mitarbeitet und dann die größte Magic an der Börse wirken kann: Der Zinseszins-Effekt.
Es ist doch so: Entziehe ich meinem Depot Geld, so kann genau dieses Geld keine Rendite mehr erwirtschaften. Dabei ist egal ob ich Anteile meiner ETFs verkaufe oder Ausschüttungen erhalte. Ich müsste die Dividenden also konsequent reinvestieren, um den Effekt etwas auszugleichen.
Das Problem hierbei: Wenn die Dividenden einen Teil meines Arbeitseinkommens ersetzen sollen, werde ich sie verkonsumieren und kann sie eben nicht konsequent reinverstieren. Über die Jahre dürfte der Effekt verlorener Zinseszinsen also enorm sein.
Vorteil: Nutzung des Freibetrags?
Ein zumindest für Kleinanleger:innen kleiner Vorteil ergibt sich jedoch aus der besseren Nutzung des steuerlichen Freibetrags von 1.000 € pro Jahr.
Wer nur auf thesaurierende Aktien-ETFs setzt, zahlt am seit einiger Zeit Anfang eines Jahres die Vorabpauschale, um hier nicht versteckte Steuerstundungseffekte auszunutzen zu können. Die gezahlten Steuern werden später mit tatsächlich realisierten Gewinnen verrechnet.
Um die 1.000 € Freibetrag hier schon voll auszunutzen, hätte ich Anfang des Jahres 2026 etwa 245.000 € im Depot halten können. Bis ich dort jedoch bin, verschenke ich – wenn ich sonst keine Verkäufe mit Gewinn verbuche – jedes Jahr einen Teil des Freibetrags. Denn anders als realisierte Verluste die sie mit Gewinnen verrechnen lassen, verfällt der Freibetrag am Jahresende.
Hier könnte, wie oben vorgerechnet sein, eine Dividendenstrategie zur besseren Ausnutzung dieses Freibetrags helfen. Aber eben auch nur, bis das Depot auf ca. ¼ Million angewachsen ist (bestehend aus thesaurierenden ETFs). Danach gäbe es keinen Vorteil mehr, weil dann kein Freibetrag mehr verschenkt wird.
Vorteil: Motivation!
Es gibt für mich und andere Dividendenjäger jedoch noch zwei ganz andere Argumente:
- Dividenden sind total motivierend: Nicht realisierte Kursgewinne im Depot sind zwar hübsch anzuschauen. Echte Überweisungen auf’s Verrechnungskonto haben aber nochmal einen ganz anderen Wert.
- (Teil-)Verkäufe tun weh: Es schmerzt mich, ETFs oder Aktien teilweise oder ganz zu verkaufen, um Gewinne zu realisieren. Denn dann fehlt was im Depot. Dividenden fühlen sich anders an. Die Anzahl meiner Anteile bleibt gleich, aber Geld auf’s Konto fließt trotzdem.
Bei beidem mag mir mein Gehirn einen Streich spielen. Aber Börse ganz ohne Psychologie klappt irgendwie nicht.
Wo stehe ich heute?
Wenn ich für dieses Jahr auf meine Dividendenzuflüsse schaue, dann stehe ich irgendwo bei fast 500 €. Bis Ende des Jahres dürften noch einmal 360 € dazukommen.
448,75 €
dieses Jahr (YTD)
Von „Dividenden ersetzen mein Gehalt“ bin ich also noch weit entfernt. Momentan ist es eine kleine Motivationsstütze, die reinvestiert wird.
Und du? Wie viel Dividende machst du so? Hat das bei dir eine Bedeutung?

Ich gebe dir vollkommen Recht, rein mathematisch ist die Sache sonnenklar: thesaurierender ETF und gut ist es. Ich habe mich trotzdem zu einer 50:50 Strategie entschlossen: 50% thesaurierende ETF, 50% bluechip Dividendenaktien, breit gestreut, aktuell 26 Titel. Auch hier kommt der Schneeball ins Rollen: dieses Jahr 8-9k Nettodividende, wird komplett reinvestiert. Freibetrag gibt es in Österreich nicht, 27,5% auf alles. Mein Ziel 2000/ Monat scheint erreichbar. Und die Knete fließt auch noch wenn der Alzheimer mal zugeschlagen hat….
Danke für deinen Kommentar!
Eine Rückfrage: Warum setzt du auf Einzelwerte und neben den Thesaurieren nicht auch auf einen ausschüttenden ETF?