Als ich am 1.7. das Depot-Update für den Juni verfasst habe, habe ich über die Performance in jenem Monat noch geschimpft. Und dann hat es dennoch nur zwei Tage gedauert, bis nicht nur der DAX, sondern auch mein eigenes Depot einen neuen ATH erreicht hat.
Jetzt – nochmal 30 Tage später – stelle ich fest: Auch dieser Monat war von Aufs und Abs bestimmt. Das ist grundsätzlich ja auch der übliche Gang und die Performance-Frage stellt sich ja erst nach längeren Perioden; Einem Monat, einem Jahr oder einer Dekade.
Und dennoch komme ich auch in diesem Monat zu einer Feststellung, die mir in den letzten bald 10 Jahren an der Börse nicht so häufig aufgefallen ist: Die aktuell enorme Volatilität, insbesondere bei Tech-Werten.
Das mag eine falsche Wahrnehmung sein und die Empirie widerlegt meine Annahme ganz sicher. Und dennoch überrascht mich das Rauf und Runter bei NVIDIA, Apple, ASML und Co momentan doch sehr. An einem Tag noch ein neue Hochs (und im Falle von Apple damit wieder die Krönung als wertvollstes Unternehmen nach Marktkapitalisierung), wenige Tage später die großen Abstürze mit teilweise zweistelligen Einbußen.
Nun überlasse ich die Analyse zum Warum dieser Volatilität lieber anderen, die sich damit besser auskennen und verweise an dieser Stelle auf zwei ganz gute Analysen.
Nummer eins kommt – mal wieder – vom Morning Brunch Newsletter; Roland Lindenblatt fasst hier mal zusammen, warum Speicherchips nach der Rallye der letzten Monate plötzlich wieder so günstig zu haben sind, warum „Buy the Dip“ aber vielleicht nicht die allerbeste Strategie ist.
tl;dr:
- SK-Hynix, Samsung und Micron sind seit Jahresbeginn dreistellig gelaufen, kommen jetzt aber innerhalb weniger Tage mit teilweise -30% zurück.
- Vieles spricht dafür, dass sich die Kurse jetzt erstmal erholen, langfristig aber wieder fallen könnten.
- Weil: Die Welt braucht wegen des KI Booms momentan absurd viele Speicherchips, der Markt ist ein stabiles Oligopol.
- Aber: Speicherchip-Aktien sind extreme Zykliker; Jetzt ist die Nachfrage hoch und nicht zu erfüllen, aber wenn in einigen Jahren Produktionskapazitäten (aka neue Werke) verfügbar sind, ist die Nachfrage vielleicht gesättigt.
- Und mit CXMT baut China mit viel staatlichen Subventionen einen neuen Wettbewerber auf, der zum IPO mal eben +470% gemacht hat.
- Die großen Fragen sind aber eben:
Erstens, werden sich die massiven KI Investitionen in den nächsten Jahren auch bezahlt machen? Momentan steigen bei Amazon, Google und Co. die Kosten für den Infrastrukturaufbau wegen des Chipmangels ja grad ins Astronomische. Das muss auch erstmal wieder verdient werden.
Und zweitens, werden die steigenden Hardware-Kosten bei Apple und Co. die Konsumlaune bei Endconsumern lähmen? Denn auch DRAM-Chips sind betroffen, weswegen Apple ja gerade quasi die gesamte Produktpalette verteuert hat.
Roland Lindenblatt jedenfalls kommt zum Schluss: Buy the Dip, wenn du willst. Aber verwechsle es nicht mit Buy and Forget.
Treffender kann man es wohl kaum formulieren. – Volatilität jedenfalls dürfte bleiben.
Die zweite Einordnung kommt diesmal vom SPIEGEL zu einer Frage, die wohl viele Apple Aktionäre umtreiben dürfte und ich habe es weiter oben ja auch bereits erwähnt: Wenn Apple an einem Tag ein neues All-Time-High erreicht, warum kommt dann nach wenigen Tagen der große Dip?
Die Antwort in aller Kürze: Weil der Markt mal wieder ziemlich große Erwartungen in die Zukunft hat und die bereits alle im aktuellen Kurs eingepreist sind.
Apple hat im letzten Jahr extrem viele Geräte verkauft. Ein neuer „Super-Zyklus“ für’s iPhone war aber bereits vor Monaten erwartet worden. Und durch den aktuellen Erfolg dürften die Umsätze in den nächsten Monaten eher abflachen und dann unter den Erwartungen liegen. Die Erwartungen der Aktionäre sind so hoch, dass Apple fast nicht anders kann als zu unterliefen.
Rein vorsorglich erklärt Apple auch bereits, dass der Speichermangel sowohl auf Produktionskapazitäten als auch auf die Nachfrage drücken dürfte.
Und was mache ich jetzt mit diesen Informationen?
Ich stelle mir, wie bereits im letzten Monat die Frage, ob ich umschichten sollte. Ein wenig raus aus den KI-Highflyern, ein wenig rein in breite ETFs.
Das birgt das Risiko möglicherweise etwas Rendite liegenzulassen, denn noch ist die KI-Story offenbar noch nicht zu Ende erzählt. Aber es gibt mir die Sicherheit besser schlafen zu können. Denn ich bin ehrlich: Natürlich macht mich der abendliche Blick aufs Depot nervös, wenn Apple tiefrot schließt.
Wie gehst du damit um?
Bei aller Sorge: Unterm Strich bleibt mir in diesem Monat eine Rendite von ca. 1,8%. Ich will mich nicht beschweren.