Lexikon keine Anlageberatung

Homo oeconomicus

Kurz erklärt

Der Homo oeconomicus ist ein Modell der Wirtschaftstheorie, das einen ausschließlich rational und nutzenmaximierend handelnden Menschen mit vollständiger Information über alle Märkte unterstellt.

Das Modell beschreibt keinen realen Menschen, sondern eine bewusste Vereinfachung. Unterstellt wird ein Akteur, der ausschließlich ökonomische Ziele verfolgt und dabei stets die für ihn günstigste Entscheidung trifft.

Die vier Annahmen

Nach dem Lexikon der Wirtschaft der Bundeszentrale für politische Bildung kennzeichnen ihn vier Eigenschaften: rationales Verhalten, das Streben nach größtmöglichem Nutzen, die vollständige Kenntnis aller Handlungsmöglichkeiten samt ihrer Folgen und vollkommene Markttransparenz – also lückenlose Information über sämtliche Märkte und die Eigenschaften aller Güter.

Wozu das Modell dient

Der Zweck ist methodisch. Wer wirtschaftliche Zusammenhänge in Modellen abbilden will, braucht ein berechenbares Verhalten. Indem Unwissenheit, Zeitdruck und Gefühle ausgeblendet werden, lassen sich grundlegende Mechanismen theoretisch klar darstellen. Der Homo oeconomicus ist damit ein Werkzeug, keine Beschreibung der Wirklichkeit – ein Punkt, der in der öffentlichen Diskussion des Begriffs häufig untergeht.

Warum er an der Börse an Grenzen stößt

Die Kapitalmarktforschung hat gezeigt, dass Anleger systematisch von diesen Annahmen abweichen. Verluste wiegen psychologisch schwerer als gleich hohe Gewinne, Verlustpositionen werden zu lange gehalten und Gewinner zu früh verkauft, und in Extremphasen setzt Herdenverhalten ein. Daniel Kahneman und Amos Tversky lieferten dafür die theoretischen Grundlagen; das Forschungsfeld heißt heute Behavioral Finance.

Genau diese Abweichungen erklären, warum Kurse in beide Richtungen übertreiben – die Grundlage antizyklischer Strategien.

Was daraus folgt

Für Anleger liegt der Nutzen weniger im Modell selbst als in der Einsicht, ihm nicht zu entsprechen. Vorab festgelegte Regeln, automatisierte Sparpläne und definierte Kauf- und Verkaufsschwellen ersetzen im Zweifel das rationale Kalkül, das im Moment der Entscheidung selten verfügbar ist.

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Hinweis: Dieser Eintrag dient ausschließlich der allgemeinen Erklärung von Fachbegriffen und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Investitionen am Kapitalmarkt sind mit Risiken verbunden, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.

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