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Droht uns ein Börsencrash 2027?

Es gibt immer mehr Anzeichen, dass die Kapitalmärkte überhitzt sind und 2027 eine deutliche Korrektur ins Haus steht. Im Zentrum eines möglichen Börsencrashs: AI.

keine Anlageberatung

Ja, ich weiß: Börsencrash ist ein starkes Wort und Korrekturen, auch stärkere, gehören zur Börse einfach dazu.
Und ja, ich weiß auch: Schon Anfang 2025 fragte ich mich, ob möglicherweise ein Crash ins Haus stünde.
Geworden ist daraus eine auf Jahressicht kleinere Korrektur.

Auslöser war der von Donald Trump ausgerufene „Liberation Day“ mit einer Zollkeule gegen die halbe Welt. Rund um 5% ging es allein am 2. April für viele Indizes nach unten, das war der stärkste Tagesverlust seit der Covid-Pandemie.
Auch die folgenden Tage blieben eher unruhig, S&P 500, Dow Jones oder Nasdaq verlieren jeweils rund zweistellig.

Nachdem Dealmaker Donald kalte Füße bekam, folgte aber bereits in der Folgewoche der Beginn einer beispiellosen Rallye, die sich, trotz des Kriegs gegen Iran, eigentlich bis heute fortsetzt.

Und genau hier liegt – nach dem was ich so lese – ein wesentliches Problem.
Denn unabhängig der Frage wann eine Korrektur noch eine Korrektur oder schon ein Crash ist, gibt es immer mehr Anzeichen, dass das letzte Drittel 2026 und 2027 eher ungemütlich werden könnten.

Die Zeichen einer Überhitzung mehren sich

Rein auf die Datenlage geschaut, gibt es immer mehr Kennzeichen die nichts Gutes verheißen:

  • Historisch extreme Bewertungen (Shiller-KGV)
    Das Shiller-CAPE-Ratio des S&P 500 lag zum 6. September 2026 bei 41,18 – das ist der höchste Stand seit 1999/2000, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase.
    Nach einer anderen Berechnungsmethode steht der Wert bei 40,6, dem 98,8. Perzentil seit 1881 – nur 20 von 1.749 Monaten lagen je höher, alle in den Jahren 1999–2000 und 2026.
    Die Kennzahl ist ein zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis über 10 Jahre und zeigt damit an, ob ein Wert im historischen Vergleich eher günstig oder teuer bewertet ist. Durch den langen Betrachtungszeitraum werden konjunkturelle Schwankungen und kurzfristige Gewinnspitzen oder Kriseneinbrüche ausgeglichen.
  • Buffett-Indikator auf Allzeithoch
    Der Buffett-Indikator (Marktkapitalisierung/BIP) liegt aktuell klassisch bei rund 240% („stark überbewertet„), globalisierungsbereinigt bei 116%. Der Indikator übertrifft damit deutlich den Dotcom-Höhepunkt um das Jahr 2000, als der Indikator nur rund 150% erreichte.
  • Extreme Marktkonzentration der Magnificent 7
    Die Magnificent 7 vereinen mit Stand Juni 2026 rund 34% der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 auf sich – der höchste Anteil der Top-7-Titel seit der „Nifty Fifty„-Ära der frühen 1970er-Jahre, nach nur 13 % im Jahr 2018.
    Auch in breiteren Indizes ist die Konzentration vergleichbar extrem. Viele ETFs sind damit faktisch eine Wette auf sieben stark AI-Capex-abhängige Geschäftsmodelle statt breit diversifiziert.

Ein wesentlicher Teil dieser Warnsignale hängt mit der KI-Rallye zusammen und hier lohnt ein genauerer Blick:

Zweifel an der KI-Kapitalrendite und zirkuläre Finanzierung

  • Moody’s beziffert rund 662 Mrd. US-Dollar an unterschriebenen, aber noch nicht begonnenen Rechenzentrums-Leasingverträgen der Hyperscaler, die außerbilanziell geführt werden – mehr als deren gesamte bilanzierte Verschuldung zusammen. PIMCO schätzt, dass der Capex der Hyperscaler 2026/2027 rund 94 % des operativen Cashflows verschlingen wird. Quelle
  • US-Techkonzerne sammeln aktuell so viel Kapital über Anleihen ein, dass einige Schwellenländer-Firmen plötzlich als sicherer gelten. SK Hynix beispielsweise zahlt gegenüber Amazon nur noch neun Basispunkte Aufschlag – ein Drittel des Vorjahreswerts. Die Strategen von JPMorgan gehen davon aus, dass sich die Risikoaufschläge bis Jahresende vollständig angleichen. Quelle
  • Der freie Cashflow der Magnificent 7 ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2024 gefallen (nur noch 7,9% des Quartalsumsatzes), während der KI-Capex im Jahresvergleich um 75% zulegte. Morgan Stanley schätzt den Capex der fünf größten Hyperscaler 2026 auf rund 805 Mrd. Dollar, für 2027 werden bereits 1,1 Billionen Dollar prognostiziert. Quelle
  • Morgan Stanley vergleicht die Capex-Umsatz-Quote direkt mit der Dotcom-Ära: 32% am Höhepunkt 2000 gegenüber prognostizierten 34% 2026 und 37% 2028. Quelle
  • Die Finanzierung wirkt zunehmend zirkulär: Nvidia verhandelte Berichten zufolge über eine 250-Mrd.-Dollar-Bürgschaft für ein OpenAI-Rechenzentrum – was CNBC-Moderator Jim Cramer explizit an die Lieferantenfinanzierung vor dem Dotcom-Crash erinnerte. Quelle

Auch von offizieller Seite mehren sich eher sorgenvolle Aussagen. So sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva bereits im Juni letzten Jahres, aktuelle Bewertungen vieler KI-Unternehmen näherten sich dem Niveau des Internet-Booms vor 25 Jahren an. Führte das zu einem Börsencrash, könnte über strengere Finanzbedingungen das weltweite Wachstum gebremst werden. (Also keine Erholung nach wenigen Monaten.)
Der IWF wiederholte auch in 2026 diese Warnung und sprach in seinem Finanzstabilitätsbericht explizit von einer Gefahr „plötzlicher und kräftiger Marktkorrekturen“ bei KI-Aktien und davor, dass Schattenbanken (NBFIs) im Krisenfall als Schockverstärker wirken könnten.

Andrew Bailey, Chef der Bank of England und in seiner Funktion als Vorsitzender des Financial Stability Board, warnte in einem Brief an die G20-Finanzminister vom 1. September 2026, dass Verschuldung mit hohen Bewertungen und Marktkonzentration zusammenwirke, „in particular the increasing cross-investment between artificial intelligence (AI) companies and hyperscalers, in a way that could amplify a future market correction.“

Gerade die Tatsache, dass immer mehr Investitionen in KI-Infrastruktur außerhalb des regulierten Finanzsektors erfolgen oder durch zirkuläre Investitionen erfolgen, scheint hierbei ein Knackpunkt zu sein.
Falls die KI-Story nicht mehr verfängt oder die Investitionen nicht mehr durch entsprechenden Umsatz gerechtfertigt werden können, drohen große Risse im System. – Mit negativen Auswirkungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.
Dass es kurz vor Veröffentlichung der NVIDIA Zahlen massive Insiderverkäufe gab, nährt irgendwie meine Skepsis.

Besonderheit 2026: Midterm Wahlen

Es gibt noch eine weitere Besonderheit für das Ende des Jahres 2026 und dem folgenden Jahr 2027: Die Midterms. Statistisch gesehen hatten diese Wahlen immer einen Einfluss auf die Entwicklungen der Aktienmärkte.

Während viele Analysten auf eine Art Patt zwischen den zwei Kammern (demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus, republikanische Mehrheit im Senat) hoffen, da sich in diesen Konstellationen meist eine Ausgeglichenheit in politischen Entscheidungen zeigte, zeigt die Statistik aber auch, dass es nach den Midterms erstmal volatil bleibt und die Kurszuwächse in Midterm-Jahren eher verhalten sind.

Mehr noch: Nach den zwei letzten Wahlen 2022 und 2018 ging es erstmal kräftig nach unten.

Und jetzt?

Zugegeben: Die hier aufgeschriebenen Warnzeichen sind alle nicht neu. Ähnliche Befürchtungen gab es auch schon vor einem Jahr und bislang hat sich 2026 aus Börsensicht dennoch prächtig entwickelt.
Das Problem nur: Die Kennzahlen verschärfen sich, statt sich abzuschwächen. Statistische Effekte tun ihr Übriges.

Bleibt also die Frage: Wie damit umgehen?

Hohe Bewertungen allein sind noch kein Timing-Signal. Möglicherweise steht uns ein Jahrzehnt mit schwächeren Renditen, ob und wann eine Korrektur kommt ist natürlich fraglich. Der Blick in die Glaskugel ist Niemandem vergönnt.

Und es gibt ja auch andere, optimistischere Marktbeobachter, die kontern, dass die heutigen Mega-Caps anders als 1999 tatsächlich hochprofitabel sind, echte Free-Cashflows erwirtschaften und strukturell höhere Margen sowie einen hohen Auslandsumsatzanteil haben, was klassische Kennzahlen wie den Buffett-Indikator verzerren kann.

Für mich habe ich beschlossen, etwas Exposure aus den KI-Highflyern herauszunehmen. NVIDIA beispielsweise macht Stand heute über alle ETFs und Einzelaktien rund 9% meines gesamten Portfolios aus. Diesen Wert zu verringern und in weniger KI-lastige ETFs umzuschichten, erscheint mir momentan vernünftig.

Möglicherweise lasse ich dann etwas Rendite liegen. Aber ich kann besser schlafen.
Und für den Rest setze ich auf die hier bereits vorgestellte Crash-Strategie.

Aber vielleicht kommt ja doch gar kein Börsencrash 2027?
Wie siehst du das? Bereitest du dich auf größere Volatilität vor?

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Adrian

Depot Tagebuch von

Adrian

Seit 2017 und damit viel zu spät, bin ich an der Börse. Seitdem versuche ich die verpassten Jahre aufzuholen. – Sowohl beim Wissen als auch bei der Rendite. Meine Lernkurve ist steil, manchmal zu steil. Und um dir und anderen meine Fehler zu ersparen, dokumentiere ich hier auf monatlicher Basis meine Depotentwicklung, kommentiere Marktereignisse oder teile spannende Informationen.

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