Meinung

Munitionieren für das Altersvorsorgedepot

Nur noch knapp 4 Monate bis zum Start des Altersvorsorgedepots. – Und so langsam nimmt das Thema Fahrt auf.

keine Anlageberatung

Die größte Befürchtung der Verbraucherzentralen zum Altersvorsorgedepot war vor einigen Monaten der Kostenfaktor. Die berechtigte Überlegung: Wenn die staatlich geförderte Altersvorsorge 2% oder mehr an jährlichen Kosten verursacht, bleibt deutlich weniger Rendite übrig. – So wie das ja schon zum Leidwesen Vieler bei Riester der Fall war.

Nach Intervention blieb am Ende 1% Maximalkosten übrig. Immer noch ganz schön viel, aber verkraftbar.

Nun zeigt sich aber, dass die Sorgen möglicherweise unbegründet waren: Nachdem die Fondsgesellschaft Franklin Templeton kürzlich Produkte für >0,2% Kosten erwartete, macht die Deka – immerhin einer der größten deutschen Vermögensverwalter – den Sack jetzt zu: Nur 0,1% Kosten p.a. sollen die günstigsten Produkte kosten.

Während das in der Presse vor allem als „Kampfansage an die Neobrokerverstanden wurde, glaube ich an eine andere Begründung: Ich glaube es geht Deka und Sparkassen gar nicht darum, Neobrokern wieder Kunden abzuwerben oder gar in einen „Preiskampf“ einzusteigen, der für klassischen Banken und Verwalter wie Sparkasse und Deka mit den vorhandenen Strukturen nur desaströs enden würde.

Ich glaube es geht bei den 0,1% Produkten vor allem um ein Angebot an all diejenigen, die jetzt ihre bestehenden Riester-Verträge kündigen wollen. Obwohl die Deka seit 2022 selbst keine neuen Riester-Verträge mehr vertrieben hat, dürfte sie davon vermutlich noch einige im Portfolio. Diese Kunden aktiv anzusprechen um sie ins neue Altersvorsorgedepot zu überführen, ist aber nur dann attraktiv, wenn man mehr Geld damit verdient als 0,1%. Und das tut die Deka.

Denn neben dem 0,1% ETF-Produkt mit relativ starren Regeln (zwei ETFs: MSCI 400 und ein EU-Anleihenprodukt, automatische Umschichtungen vor Renteneintritt) bietet die Deka auch „Individualprodukte“ an, mit denen mehr Freiheit möglich ist. Die kosten dann aber 1,0 bis 1,5% p.a.
Denn: Die Kostengrenze von 1% p.a. gilt nur für die sog. Standardsdepots. Für andere Produkte aber eben nicht.

Wer also den Riestervertrag überführen will, dem können Deka und Sparkassen sagen: Du musst gar nicht zu einem Neobroker, wir sind genauso billig! Hintenraus ergibt sich dann aber die Chance Produkte zu 15-fachen Kosten zu verkaufen.
Ach: Kunde einer Sparkasse muss man immer auch sein.

Ich bin gespannt, mit was die großen Versicherer bald um die Ecke kommen, erwarte aber ähnliche Nebelkerzen. Für Ergo, Allianz & Co. geht es um deutlich mehr. – Von den vielen Vertrieblern mal ganz abgesehen.

Unterbietungswettkampf der Neobroker

Bei den Neobrokern hingegen kündigt sich bereits der Beginn eines Unterbietungswettkampfs an: Scalable bietet ein kostenloses Depot an und ETFs zu max. 0,15% p.a. mit Erstattung der Kosten im ersten Jahr.
Quirion plant nach einem Bericht der WirtschaftsWoche mit zwei Vanguard ETFs zu Kosten von unter 0,1%.
Smartbroker will ebenfalls ein kostenfreies Depot anbieten und die ETF-Kosten erstmal vollständig übernehmen.
Trade Republic hingegen hat noch nichts bekanntgegeben. – Ich erwarte mal wieder ein Event in Form einer Apple Keynote.

Für uns Kunden können das nur positive Nachrichten sein. Nur sollte man sich jetzt nicht unnötig treiben lassen und vorschnell ein Depot abschließen: Die staatlichen Förderungen werden pro Kalenderjahr gewährt. Entscheidend ist, wie viel man am 31.12. eines Jahres eingezahlt hat. Man verliert also höchstens etwas Rendite, wenn man mit dem Altersvorsorgedepot nicht am 1.1., sondern erst zur Jahresmitte startet. Je nachdem wie sich 2027 an der Börse entwickelt.

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Adrian

Depot Tagebuch von

Adrian

Seit 2017 und damit viel zu spät, bin ich an der Börse. Seitdem versuche ich die verpassten Jahre aufzuholen. – Sowohl beim Wissen als auch bei der Rendite. Meine Lernkurve ist steil, manchmal zu steil. Und um dir und anderen meine Fehler zu ersparen, dokumentiere ich hier auf monatlicher Basis meine Depotentwicklung, kommentiere Marktereignisse oder teile spannende Informationen.

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