Ein alter Börsianer kann alles verlieren, nur nicht seine Erfahrung.
André Kostolany
Kostolany sprach aus eigener Erfahrung: Er verlor 1929 als junger Makler viel Geld und 1940 als Emigrant fast alles. Was blieb, war das Wissen darüber, wie Menschen sich in Extremphasen verhalten – für ihn das eigentliche Kapital eines Börsianers.
Für Anleger heißt das: Ein selbst erlebter Bärenmarkt lehrt mehr über die eigene Risikotoleranz als jeder Fragebogen. Wer 2008, 2020 oder 2022 dabei war und weiß, wie er reagiert hat, kann seine Aktienquote realistisch festlegen.
Wahrheitsgehalt: überwiegend richtig, mit einer Gegenprobe. Erfahrung reduziert typische Anfängerfehler nachweislich – Anleger handeln mit den Jahren seltener und breiter gestreut. Sie schützt aber nicht vor Überkonfidenz, und alte Regeln versagen in neuen Regimen: Wer sich auf Zinsmuster der 1980er verließ, war in der Nullzinsphase schlecht beraten. Erfahrung ist ein Vorteil, solange sie nicht zur Gewissheit wird.
