André Kostolany

Person

André Kostolany

André Kostolany (1906–1999) war das, was es heute so nicht mehr gibt: ein Börsenprofi, der über die Börse schrieb, ohne etwas verkaufen zu wollen.
Geboren in Budapest, studierte er Philosophie und Kunstgeschichte und wollte eigentlich Kunstkritiker oder Pianist werden. Auf Wunsch seines Vaters ging er Mitte der 1920er nach Paris in die Lehre bei einem Börsenmakler – und blieb dem Metier über sieben Jahrzehnte treu. 1940 floh er vor den Nationalsozialisten nach New York, kehrte 1948 nach Europa zurück und wurde ab den 1950er-Jahren zum meistgelesenen Finanzpublizisten des deutschsprachigen Raums.
Bekannt wurde er vor allem durch seine Kolumnen im Magazin „Capital„, durch dreizehn Bücher und durch Fernsehauftritte, in denen er mit ungarischem Akzent und trockenem Witz Banker vorführte.

Warum André Kostolany bis heute zitiert wird

Kostolany hat keine Anlageformel hinterlassen und ausdrücklich keine Aktientipps gegeben. Was er hinterlassen hat, ist etwas Haltbareres: eine Beschreibung davon, wie Menschen an der Börse funktionieren.
Sein Bild vom Hund und dem Spaziergänger erklärt bis heute besser als die meisten Modelle, warum Kurse und Wirtschaftslage nie gleichzeitig laufen. Sein „Ei-Modell“ beschreibt den ewigen Zyklus aus Korrektur, Anpassung und Übertreibung. Und seine Unterscheidung zwischen „zittrigen“ und „hartgesottenen“ Händen erfasst in zwei Worten, was die Verhaltensökonomie später mit Studien belegt hat: Der entscheidende Unterschied zwischen Anlegern liegt nicht im Wissen, sondern in den Nerven.

Genau deshalb altern seine Sätze so langsam. Technologie, Regulierung und Produkte haben sich seit seinem Tod komplett verändert – ETFs, Neobroker, Sekundenhandel gab es nicht. Die Psychologie dahinter ist dieselbe geblieben.

Wo man ihm widersprechen sollte

Kostolany war Spekulant, nicht Indexanleger, und er hat gern zugespitzt. Manches, was heute als seine Weisheit zitiert wird, ist ein Bonmot aus einer Talkshow. Wer ihn liest, sollte das mitlesen: als geistreiche Provokation, die zum Nachdenken zwingt – nicht als Anleitung. Am ehrlichsten war er, wo er über eigene Verluste sprach. Zweimal hat er fast alles verloren, 1929 und 1940. Dass er die Börse trotzdem bis zuletzt für die größte Erfindung der Welt hielt, ist vielleicht seine glaubwürdigste Aussage.

Bildnachweis: Bennys Buidl Fabrik, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons