Die größte Spekulation der Welt wäre es, einen Politiker zu dem Wert einzukaufen, den er hat, und ihn zu dem Werte zu verkaufen, den er sich selbst einräumt.
André Kostolany
Kostolany war neben allem anderen Entertainer, und dieser Satz ist zuerst eine Pointe über Selbstüberschätzung. Er wird ihm breit zugeschrieben, kursiert aber in Varianten – bei Bonmots dieser Art ist die Urheberschaft selten sauber belegt.
Der ernste Kern dahinter ist die Grundformel jeder Spekulation: Verdient wird an der Differenz zwischen dem, was etwas wert ist, und dem, was der Markt dafür verlangt. Genau das beschreibt auch die Idee des inneren Werts in der Fundamentalanalyse.
Wahrheitsgehalt: als Witz uneingeschränkt, als Anlagestrategie nicht umsetzbar – Selbstbild lässt sich nicht handeln. Interessanter ist die verwandte Börsenregel, politische Börsen hätten kurze Beine. Empirisch ist daran etwas: Wahlen, Regierungswechsel und Rhetorik bewegen Kurse kurzfristig deutlich, verlieren aber über Jahre an Bedeutung gegenüber Gewinnen, Zinsen und Konjunktur. Ein Depot nach politischer Stimmung umzubauen, hat sich historisch selten gelohnt.
