Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.

André Kostolany

Ein Dreisatz über Risikotragfähigkeit – und Kostolanys wohl meistzitierter Aphorismus nach der Schlaftablette. Die ersten beiden Teile sind ernst gemeint: Spekulieren darf nur, wer einen Totalverlust wirtschaftlich und psychisch aushält. Der dritte Teil ist Ironie eines Mannes, der 1929 und 1940 zweimal fast alles verloren hatte.

Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge: erst Notgroschen und teure Schulden, dann das breit gestreute Basisdepot, und erst danach – wenn überhaupt – spekulative Positionen aus Geld, dessen Verlust nichts zerstört.

Wahrheitsgehalt: Teil eins und zwei sind richtig und decken sich mit jeder seriösen Anlagepraxis. Teil drei ist wörtlich genommen gefährlich falsch. Wer kein Kapital hat, hat auch keine Verlustkapazität; gehebelte Produkte machen aus einem kleinen Einsatz keinen kleinen Verlust. Wie schnell Hebel und Margin eine Position vernichten, ist gut dokumentiert. Vermögensaufbau ohne Startkapital funktioniert über Sparpläne und Zeit – nicht über Wagnis.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Veröffentlicht am · zuletzt bearbeitet am