Die meisten Deutschen ziehen Anleihen den Aktien vor. Mit ihrem übertriebenen Sicherheitsdenken bringen sie sich aber um einen beträchtlichen Vermögenszuwachs.
André Kostolany
Kostolanys Dauerthema. Er formulierte das in einer Zeit, in der Sparbuch und Lebensversicherung die deutsche Geldanlage dominierten und die Aktionärsquote im einstelligen Prozentbereich lag. Sein Ärger galt weniger den Anlegern als der Kultur, die Aktien als Zockerei einstufte.
Der ökonomische Kern stimmt: Aktien werfen langfristig eine Risikoprämie gegenüber Anleihen ab – das ist der Preis dafür, dass man Schwankungen aushält. Wer über Jahrzehnte auf nominal verzinste Anlagen setzt, verliert nach Inflation real Kaufkraft.
Wahrheitsgehalt: ökonomisch belegt, in der Zeitdiagnose überholt. Nach den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts hielten 2025 rund 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs – etwa jeder Fünfte, ein Rekordwert, getragen von den unter 40-Jährigen. Und umgekehrt gilt: Anleihen sind kein sicherer Hafen, wie 2022 zeigte, als lange Laufzeiten zweistellig verloren. Entscheidend ist nicht Aktie oder Anleihe, sondern Duration, Bonität und Haltedauer.
