Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.

André Kostolany

Kostolanys derbste Formulierung seines Grundprinzips; ursprünglich sprach er von mehr Dummköpfen als Papieren. Gemeint ist keine Beleidigung, sondern schlichte Mechanik: Kurzfristig bestimmt nicht der Unternehmenswert den Kurs, sondern das Verhältnis von kaufwilligem Geld zu handelbaren Stücken.

Für Anleger ist das konkreter, als es klingt. Das Angebot an Papieren verändert sich tatsächlich: Aktienrückkäufe und Übernahmen verknappen es, Kapitalerhöhungen und Börsengänge vergrößern es. Auf der Nachfrageseite wirken Indexaufnahmen, Sparpläne und der Streubesitz. Wer versteht, dass ein Aktienkurs ein Preis und keine Bewertung ist, wundert sich seltener über Bewegungen ohne Nachricht.

Wahrheitsgehalt: kurzfristig sehr treffend, langfristig unvollständig. Über Jahrzehnte folgt die Marktkapitalisierung den Gewinnen, nicht der Stimmung – Kostolanys Satz erklärt Monate und Quartale, keine Jahrzehnte. Und die Zuspitzung führt in die Irre, wenn man sie wörtlich nimmt: Die Gegenseite eines Geschäfts ist selten dumm, sie hat meist nur einen anderen Anlagehorizont.

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