Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.
André Kostolany
Der bekannteste Satz Kostolanys – und der am häufigsten missverstandene. Er war kein Aufruf zur Gleichgültigkeit. Kostolany selbst war Spekulant und hat seine Positionen sehr genau beobachtet. Die Schlaftablette richtet sich nicht gegen das Nachdenken, sondern gegen den Reflex, bei jedem Kursrutsch handeln zu müssen.
Für Anleger beschreibt der Satz exakt den Mechanismus, aus dem der Zinseszins-Effekt entsteht: Rendite braucht Zeit, und jeder Ausstieg zwischendurch unterbricht sie. Der entscheidende Hebel ist damit nicht die Auswahl der Papiere, sondern der Anlagehorizont.
Wahrheitsgehalt: hoch – mit einer wichtigen Einschränkung. Für breit gestreute Indexanlagen ist der Befund gut belegt: Ein weltweiter Aktienindex hat über Zeiträume ab 15 Jahren historisch zuverlässig positive Realrenditen geliefert. Für Einzelaktien gilt der Rat aber ausdrücklich nicht. Unternehmen verschwinden, Geschäftsmodelle erodieren. „Nicht mehr anschauen““ funktioniert nur mit einem Depot, das sich selbst erneuert – also über ETFs, echte Diversifikation und gelegentliches Rebalancing.
